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Mirko Ulbl, Jugendarbeiter Kinder- und Jugendarbeit Oberes Kleinbasel Landhof, ooink ooink Productions

Landhof, 30. September 2014

Der Landhof – aktuelle Informationen zum Projekt

Vor rund 13 Jahren hat sich die Kinder- und Jugendarbeit Oberes Kleinbasel ooink ooink Productions im Namen der Kinder und Jugendlichen den Raum Landhof inklusive einiger Räume innerhalb der Tribüne angeeignet. Der Anlass dafür war, das immer knapper werdende Raumangebot im Quartier.

Kinder und Jugendliche verlieren innerhalb ihrer Umgebung schon seit längerer Zeit, adäquaten, aneigenbaren Raum innen wie auch aussen. Zum Teil durch den Ausbau der Strassen oder auch durch Gemeinden, welche vermehrt aus finanziellen Gründen ihre Räume umnutzen und fremdvermieten. Früher gab es auch in der Stadt ganze Brachen, in denen man sich ohne Einschränkung tummeln konnte. Dies hat auch Regierungsrat Christoph Eymann im 2011 der Zeitung gesagt. Wie uns allen wohl bekannt ist, ist heutzutage öffentlicher Raum wertvoll geworden.

Wir haben im Jahr 2001 nach dem Wegzug des FCBs vom Landhof zugeschlagen und dort eine Zentrale der offenen Kinder und Jugendarbeit eingerichtet. In diesen 13 Jahren ist ein bunter Strauss von Angeboten für Kinder und Jugendliche aber auch für Eltern entstanden.

Durch die Abstimmung zur Umzonung des Areals in die Grünzone ist zwar die Überbauung dieser wilden Oase verhindert worden, nun stehen wir aber wieder vor dem Problem, die eroberten Qualitäten für Kinder, Jugendliche und deren Familien hergeben zu müssen.

Der wilde veränderbare Naturspielplatz wird durch die neue Positionierung des Gebäudes Richtung Riehenstrasse halbiert. Ein auch bei Regen begehbarer Grundbelag aus Steinen ersetzt die Wiese und die verschiedenen Naturspielelemente sind in strukturierten Inseln eingeschlossen. Alles muss pflegeleicht sein. Die Fläche muss mehrfachnutzbar sein und offen. Auch offen für alle und alles.

Die Kinder verlieren "ihr Territorium". Es ist Eingegrenzt mit einem wilden Lebhag aus Buchenbüsche und Holunder. Innerhalb dieses Spickels, wie wir ihn nennen, müssen sich Erwachsene den Regeln der Kinder anpassen. Das hohe Gras wie wir es bisher im Sommer haben wachsen lassen und in welchem sich die Kinder verstecken und Blumenkrätze fürs Haar basteln konnten, wird es nicht mehr geben. Eltern haben keine Grenzen mehr innerhalb deren sich ihre Kleinkinder frei bewegen dürfen und können. Unebener Boden für die ersten Gehversuche wird es nicht mehr geben. Die Wischmaschine könnte kaputtgehen.

Eine fachliche Expertise zur Bedarfsangemessenheit der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt Basel hat diverse Bedürfnisse in zwei Quartieren der Stadt aufgezeigt. Wir stellen ähnliches fest. Die Kinder und Jugendlichen wünschen sich vermehrte Öffnungszeiten unseres Betriebs und aneigenbarer Raum innen wie auch aussen. Vor kurzem erst haben einige Jungs, ohne unser wissen, im Bereich des alten Totomaten des Landhofs ein Baumhaus gebaut. Leider haben sie zur Befestigung der Holztritte grosse Nägel in den Baum getrieben. Sie wussten nicht, dass dies den Baum stark verletzen kann, sie wollten unbedingt ein Baumhaus bauen. Solche Situationen erleben wir öfters, denn den Kindern fehlt die Möglichkeit, ihre Ideen innerhalb kontrollierbarer Umgebung umzusetzen. Kinder möchten gerne Bauen und Arbeiten, Mithelfen, Erwachsen werden. Aber wo bietet sich ihnen heute, innerhalb ihres sozialen Kontext, die Gelegenheit diese Bedürfnisse zu tilgen, ohne dem Konsumzwang zu erliegen.

Andy Hanslin von der Robi Spiel Aktion hat seit langem die Vorstellung die zur Gründung seines Betriebs führte: Jedes Quartier soll einen Robi Spielplatz haben. Im Hirzbrunnenquartier hat es einen, im Horburgpark auch und div. im Grossbasel. Nur keiner im Oberen Kleinbasel wo auch viele Kinder leben.

Durch den Bau des geplanten Gebäudes verlieren wir zusätzliche Räume für Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene. Die mehrfachnutzbaren kleinen Projekträume werden auf einen Gruppenraum reduziert. Es fehlt an Stauraum wo alles für die Mehrfachnutzung deponiert werden kann. Es fehlt eine separate Küche wo Jugendliche Kochen können, getrennt von anderen Aktivitäten. Es wird keine Rückzugsräume für Mädchen mehr geben wenn sie einmal Ruhe vor den Jungs haben wollen. Die Leiter der div. Angebote haben kein Vorbereitungszimmer mehr wo sie sich auch umziehen, duschen und ihre Arbeitskleider und Wertsachen deponieren können. Wenn die Kinder während eines Workshops auf die Toilette müssen, müssen sie die Schuhe und ihre Jacke anziehen weil die Toilette nicht im gleichem Gebäudeteil wie der Kinderraum ist. Und einiges mehr, dessen Aufzählung den Rahmen dieses Berichts sprengen würde.

Wir haben umsetzbare Anpassungsvorschläge gemacht. Diese dringlichen Anpassungen sind unseres Erachtens zeitgerecht und unabdingbar. Sie entsprechen leider nicht den Ideen des preistragenden Architekturbüro und werden von der Verwaltung als nicht erwünscht und zu teuer eingestuft.

Seit 13 Jahren sind wir in ständiger Arbeit, den Raum Landhof für die Kinder zu schützen und ihre Verdrängung vom Areal durch Erwachsene zu verhindern. Es wird Zeit, dass der Stand der Kinder auf dem Areal akzeptiert und geschützt wird und man ihnen ihren Raum so lässt und weiterentwickelt, wie sie es sich wünschen.

Mirko Ulbl

Mirko Ulbl, Sozialpädagoge HFS

www.landhof.ch