Landhof Landhof
 

Ein Areal erhitzt die Gemüter

Bericht in der baz vom 13.02.2010
Claudia Kocher, Nadja Widmer

Die BaZ hat zwei Anwohner und zwei Quartierbewohner besucht und sie gefragt, wie sie zur Landhof-Initiative und zum Gegenvorschlag stehen. Die Fronten sind verhärtet. Die Initianten der Initiative «Der Landhof bleibt grün» wehren sich energisch gegen eine Überbauung auf dem Landhof-Areal. Ganz unmöglich ist es, jemanden zu finden, der direkt beim Landhof wohnt, sei es an der Riehenstrasse, am Riehenring oder an der Peter-Rot-Strasse, und der für die Überbauung der Architekten Alban Rüdisühli und Christoph Ibach ist. Doch schon nur einen Strassenzug weiter bröckelt die Front. Viele Quartierbewohner würden die Überbauung begrüssen, da sie sich einen Mehrwert erhoffen. Die grösste Furcht der direkten Anwohner ist es, die Freifläche von 15 000 Quadratmetern zu verlieren und drei Wohngebäude vor die Nase gesetzt zu erhalten. Daneben ist sicher auch der Baulärm ein Argument gegen den Gegenvorschlag der Regierung. Dass auf dem Landhof dennoch etwas geschehen soll, dieser Meinung sind auch viele Gegner der Überbauung. Die Tribüne des ehemaligen FCB-Fussballplatzes ist zum Teil einsturzgefährdet und auch optisch alles andere als ein Bijou. Grossrat Thomas Grossenbacher (Grüne), einer der Initianten, etwa träumt von einem Freizeitcenter analog dem Landauer in Riehen.

 

«Den Kindern wird alles weggenommen»
Anwohnerin Isola Mazzorana engagiert sich für die Kleinsten im Quartier

 Isola Mazzorana

KÄMPFERISCH. Seit acht Jahren wohnt Isola Mazzorana (68) am Riehenring, ihr Balkon geht auf den Landhof. Sie würde, wenn der Gegenvorschlag angenommen wird, praktisch über der zukünftigen Garageneinfahrt leben. 

«Das Wohnen ist mir nicht so wichtig, mir geht es um die Kinder», sagt die ehemalige Tagesheimleiterin.Dass beim Gegenvorschlag 85 Prozent der Fläche unbebaut bliebe, heisse ja nicht, dass dieser Raum dann auch öffentlich sei. Der Landhof sei der einzige Platz, den man hier habe. Hier könnten sich die Kinder austoben. Es sei eben kein «geklebter Spielplatz» wie anderswo, sondern ein wilder. Auf eine Claramatte könne man zwei-, dreimal hin. Dann sei es immer dasselbe - geklebt eben. Auf dem Landhof sei freies Spiel noch möglich. «Die Kinder müssen doch wissen, was sie anfangen können, wenn sie einen Stein oder einen Stecken sehen.


»Mazzorana ging oft mit den Krippenkindern auf die Wiese, und auch ihr Göttibub wolle am Freitagnachmittag immer auf den Landhof. Auch viele Schlüsselkinder würden hier betreut. Mit der Überbauung sei der Platz nicht mehr so übersichtlich wie jetzt. Dies sei nämlich ein grosser Vorteil. Anders als zum Beispiel im Kannenfeldpark, wo man die Kinder stets im Auge behalten müsse. Seit Jahren seien Kinder das schwächste Glied der Gesellschaft. «Alles wird ihnen weggenommen. »Nun baue man die Erlenmatt, die Wohnungen dort seien teuer. «Auf den Landhof kommt niemand, der Geld hat», ist Mazzorana überzeugt. Leute aus der Mittel- und Unterschicht würden hierherziehen.

Es sei nicht richtig, dass man keine andere Idee habe, sagt Mazzorana. Grossrat Thomas Grossenbacher habe die Idee eines Freizeitzentrums. Nur müsse man damit warten, bis klar sei, wie es weitergehe. Mazzorana ist wütend. Auf Politiker wie Baschi Dürr, der sage, sein Kind würde in seinem Garten spielen. Auf Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels, der von Freiräumen für Kinder rede. «Ich glaube nicht, dass die Überbauung kommt», ist Mazzorana fest überzeugt. Man wolle kämpfen. Sie wolle kämpfen. «Im nächsten Leben werde ich Politikerin.» cko

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