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Landauer soll als Vorbild dienen
Basel. Befürworter der Landhof-Initiative wollen ein Freizeitzentrum im Kleinbasel

© Basler Zeitung; 16.09.2009; Seite bazab17
Patrick Künzle, Valentin Kressler

Der Grosse Rat entscheidet heute über die Zukunft der ehemaligen Heimspielstätte des FC Basel. Die treibenden Kräfte hinter der Volksinitiative «Der Landhof bleibt grün» wollen eine teilweise Überbauung des Areals verhindern.

Es ist das brisanteste Geschäft der heutigen Sitzung des Grossen Rates. Das Parlament debattiert über die Zukunft des Landhof-Areals. Die politischen Fronten verlaufen für einmal nicht nach dem Links-rechts-Schema; in fast allen Parteien gibt es Abweichler (siehe Text unten). Prognosen sind daher schwierig. Gemäss BaZ-Recherchen zeichnet sich jedoch eine knappe Mehrheit für den Gegenvorschlag der Regierung zur Volksinitiative «Der Landhof bleibt grün» ab.

Im Gegenvorschlag ist klar formuliert, wie der Landhof künftig gestaltet werden soll. Vorgesehen ist eine Bebauung mit drei Wohnbauten, die eine Maximalhöhe von 18 Metern haben dürfen. Mindestens 85 Prozent Arealfläche müssen unbebaut bleiben, im südöstlichen Teil soll eine zusammenhängende Grünanlage entstehen, die der Quartierbevölkerung zugutekommt.

ideen für zukunft. Unklar war bisher, wie die Befürworter der Landhof-Initiative das knapp 20 000 Quadratmeter grosse Areal gestalten wollen. Im Initiativtext steht bloss: «Die als Landhof bezeichnete Parzelle wird der Grünzone zugewiesen.» Thomas Grossenbacher, Grossrat der Grünen und Mitglied des Initiativkomitees, begründet dies so: «Es geht zuerst darum, den Grünraum für die Menschen im Kleinbasel zu erhalten.»

Nun kristallisiert sich jedoch allmählich heraus, wie sich die Initianten die Zukunft des Landhofs vorstellen. Grossenbacher nennt das Freizeitzentrum Landauer in Riehen als mögliches Vorbild. Dort gibt es ein Café für die Quartierbevölkerung, einen Jugendtreffpunkt, einen Robinsonspielplatz und Sportanlagen (Basketball, Skateboard, Beachvolleyball). «Mit einem solchen Angebot soll ein breiter Bevölkerungskreis angesprochen werden», sagt Grossenbacher. Grossrat Remo Gallacchi (CVP), der wie Grossenbacher in der Bau- und Raumplanungskommission gegen den Gegenvorschlag votierte, unterstützt diese Idee: «Ein Freizeitzentrum wie der Landauer wäre ein echtes Bedürfnis. Ein Ort, wo Eltern ihre Kinder spielen lassen und gleichzeitig in einem Café sitzen können. So etwas gibt es im Kleinbasel bis jetzt leider noch nicht.»

Garderoben. Einig sind sich die Befürworter der Landhof-Initiative, dass das Areal nicht in seinem derzeitigen Zustand belassen werden soll. «An der Fussballtribüne hängt niemand», sagt Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Region Basel und Mitglied des Initiativkomitees. Grossrätin Esther Weber (SP) schlägt vor: «Man könnte die Tribüne ab- reissen und zum Beispiel ein kleines, einfaches Garderobengebäude für die Fussball spielenden Kinder erstellen. Und für die kleinen Kinder könnte man den Spielplatz attraktiver gestalten und zum Beispiel ein Plantschbecken oder einen Sandkasten hinstellen.» Einen Spezialwunsch hat SVP-Grossrat Heinrich Ueberwasser. Der Fussballfan möchte, dass auf dem Landhof «ein polyvalent nutzbarer Park zur Aufwertung des wachsenden Wohnraums im Kleinbasel entsteht, der erkennbar FCB- Kulturort bleiben soll. Matchuhr, Anspielpunkt und ein kleiner Teil der Stehrampen sollen integriert werden.»

Das letzte Wort zur Zukunft des Landhofs hat jedoch nicht der Grosse Rat, sondern die Stimmbevölkerung. Stimmt das Parlament dem Gegenvorschlag zu, dann kommt dieser mit der Initiative vor das Volk. Die Initianten werden ihr Volksbegehren - Stand jetzt - nicht zurückziehen.

Giovanni Nanni - vom Gegner zum Befürworter des Landhof-Projekts

Viele Abweichler. SP, FDP, LDP, CVP und Grünliberale haben sich an ihren Fraktionssitzungen für die Überbauungspläne der Regierung auf dem Landhof-Areal im Kleinbasel ausgesprochen, was im Normalfall für eine komfortable Mehrheit im Grossen Rat reichen würde. Da es in den meisten Fraktionen aber Abweichler gibt, dürfte es heute auf einen knappen Entscheid hinauslaufen. Dass die Meinungen beim Landhof quer durch die politischen Parteien gehen, zeigte sich bereits in der vorberatenden Bau- und Raumplanungskommission des Parlaments, wo sich Esther Weber (SP), Remo Gallacchi (CVP) und Bülent Pekerman (Grünliberale) entgegen ihrer Parteimeinung gegen die Überbauung aussprachen. Auf der anderen Seite votierten Roland Lindner und Rudolf Vogel (beide SVP) für die Überbauung, obwohl ihre Partei neben Grünem Bündnis und EVP/DSP zu den Gegnern der Regierungsvorlage gehört. Unübersichtlich ist die Ausgangslage nicht zuletzt auch deshalb, weil es Grossräte gibt, die ihre Meinung in den letzten Monaten offenbar noch geändert haben. Giovanni Nanni (FDP), der ursprünglich gegen die Überbauung war, ist jetzt dafür. Der Grund: die Redimensionierung des Projekts von vier auf drei Wohnbauten. «Ich habe mich in der Kommission überzeugen lassen, dass es ein gutes Projekt ist», sagt Nanni gegenüber der BaZ. Ausserdem würden die Grünflächen weiter bestehen bleiben. vks/pak


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