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Kleinbasel grünt nicht grün genug

Beitrag bz vom 01.06.2005 

UNEINIG / Der Disput um die künftige Nutzung des Landhofareals nimmt kein Ende.Die Überbauungspläne
sind weit fortgeschritten,Nutzer und Anwohner wollen aber an der «grünen Oase» festhalten.

BASEL. «Grosse Grünzone fürs Kleinbasel» titelte die bz vergangene Woche einen Hinweis auf die Planauflage zur Zonenänderung und Festsetzung eines Bebauungsplanes für das Landhofareal. Mit dieser Wortwahl und mit den Plänen des Baudepartements (siehe bz vom 27. Mai) können sich gewisse Kleinbaslerinnen und Kleinbasler nach wie vor nicht einverstanden erklären. Sie sehen vor lauter Bauten das Grün auf dem Landhof nicht mehr.
Dabei hat das Baudepartement bereits Konzessionen gemacht. Eine Begleitgruppe – bestehend aus Anwohnerinnen, Quartierorganisationen und Wohngenossenschaftern – durfte an der Planung mitarbeiten und ihre Wünsche anbringen. So zeigen die neuen Pläne nun nur noch fünf- anstatt sechsgeschossige Bauten, und die öffentliche Grünanlage, vor allem im südlichen Teil, wurde vergrössert, wie Robert Stern, stellvertretender Leiter der Abteilung Nutzungsplanung beim Baudepartement, erläutert.

Auch der Investor darf noch mitreden.
Um das Grün wird es aber unter anderem an der bevorstehenden ersten Generalversammlung des «Vereins zur Erhaltung des Landhofareals» gehen. Im Gegensatz zum Baudepartement möchte der Verein den Landhof als «grüne Oase für das Quartier» erhalten, wie Präsident Mirko Ulbl ausführt, und die Bevölkerung für dieses Anliegen sensibilisieren. Ein eigenes Nutzungskonzept liegt vor. Dieses sieht eine multipolysportive Fläche vor. Zudem sollen die bestehenden betreuten Freizeitangebote nach wie vor Platz haben sowie neue Begegnungsräume für eine öffentliche Nutzung (zum Beispiel ein Café oder Jugendtreff) möglich sein.
Dies ist kein neues Anliegen. Noch bevor das Baudepartement Anfang 2003 einen Ideenwettbewerb zur neuen Nutzung des Landhofareals lancierte, wurde die Interessengemeinschaft (IG) Landhof gegründet. In ihr fanden sich Nutzer, Anwohner und Politikerinnen zusammen, um dem Areal für die Zukunft ein eigenes Gesicht zu geben. Die IG erhielt Einsitz in der Wettbewerbsjury, allerdings ohne Stimmrecht. «Unsere Ideen wurden aber mit der Wahl des Siegerprojekts zunichte gemacht», sagt Ulbl. Die IG Landhof beschloss daraufhin, nicht Teil der erwähnten Begleitgruppe zu werden.
Dafür wurde der «Verein zur Erhaltung des Landhofareals» gegründet, um sich für das eigene Projekt stark zu machen.
Die Begleitgruppe habe allenfalls ein wenig «Make-up» auflegen dürfen, etwa die Höhe der Bauten minim verringern können, beschreibt Ulbl aus seiner Sicht. Er bedauert, dass das Baudepartement an seinem Grundkonzept festhalte. Eine grosse, zusammenhängende Grünfläche werde es nicht geben. Zudem hätte man ihnen klar gemacht, dass auch der Investor mitbestimmen dürfe.
Robert Stern gibt zu, dass viele Punkte gar noch nicht hätten geklärt werden können. Die Nutzung etwa (Ideen für die Spitex, ein Café oder eine Krippe sind vorhanden) sei Sache der Investoren. Hier habe das Finanzdepartement – ganz im Sinne des Baudepartements – aber ein Zugeständnis gemacht, betont Stern: Der Landhof gehe nicht an einen «normalen» Investor, der gewinnmaximierend arbeitet, sondern an eine Wohngenossenschaft. Es sei allerdings noch offen, ob diese alle geplanten Wohnblöcke verwalten werde oder nicht.

Lobbying im Parlament und allenfalls ein Referendum
Stern sagt aber klipp und klar: «Das Landhofareal ist Baugebiet.» Ein Baugebiet von 20000 m2, das nur zu 20 Prozent überbaut werde. 40 Prozent kämen privaten und halböffentlichen Nutzungen zugute, 40 Prozent sei Grünzone. «Auf 8000 m2 – das ist die Grösse eines Fussballfeldes – wird ein Park entstehen, das heisst eine qualitativ hochstehende Grünfläche, nicht einfach nur eine Wiese.»
Stern macht im weiteren deutlich, dass die heutige Nutzung des Areals – wie auch immer über den Landhof entschieden werde, ob dort gar ein Sportplatz oder eine Schule hinkommen – nicht mehr möglich sei. «Die Tribüne zum Beispiel stellt ein grosses Sicherheitsrisiko dar, das abgerissen werden muss.»
Da das Geschäft nach der Planauflage vom Grossen Rat genehmigt werden muss, betreibt die IG Landhof nun aktives Lobbying gegen die Umzonung. Sollte das Parlament dennoch zustimmen, wird die IG Landhof das Referendum ergreifen. Mirko Ulbl, der schon seit Jahrzehnten im Kleinbasel als Jugendarbeiter tätig ist, rechnet sich gute Chancen aus: «Es gibt im Oberen Kleinbasel viele Stimmen gegen weitere Überbauungen. Mit unserem Gegenvorschlag könnten wir durchkommen. Unter anderem auch, weil die uns versprochene Rosentalanlage immer noch nicht Realität ist.» Zudem sei der Landhof ein Kraftort, der bis anhin nur positive Energie – Ulbl denkt an den FCB – ausgestrahlt habe. «Hier liegt viel Gutes und das soll so bleiben», verkündet er.

Andrea Masek
>>Originalartikel 

 

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