Landhof Landhof
 

Der Landhof als Quartieroase für Anwohner

Beitrag baz vom 12.09.2003

Der Sportplatz Landhof soll mit einer Wohnüberbauung neu genutzt werden. Nicht einverstanden damit sind allerdings die Anwohnerinnen und Anwohner. Sie wollen den "Ländli", wie das Areal im Quartier genannt wird, als Sport- und Spielplatz sowie als Naturparadies erhalten.

Der Sportplatz Landhof im Kleinbasel, mythische Basler Fussballstätte und Ort des ersten FCB-Meistertitels anno 1953, zählt zu den Oasen im Basler Lebensraum. Während vielen Jahren - und noch bis in die sechziger Jahre hinein - bestritt hier der FC Basel seine Heimspiele. Später wurde das mit alten Bäumen begrünte Areal von den FCB-Junioren weitergenutzt. Als vor einigen Jahren der FC Basel den Entscheid fällte, aus dem Landhof auszuziehen, war die Zukunft dieses traditionsreichen Platzes ernsthaft in Frage gestellt.

Mittlerweile haben sich jedoch der Jugendförderverein "ooink ooink Productions", aktive Anwohner und an der Jugend interessierte Kreise aus der reformierten Kirche zusammengefunden und die IG Landhof gegründet. Zahlreiche Kinder und Jugendliche finden dank dieser erfreulichen Initiative im Glaibasel eine willkommene Oase, wo sie regelmässig hingehen und nach Herzenslust spielen können. Mirko Ulbl und Fränzi Käppeli von "ooink ooink Productions" sowie Christoph Nidecker, Gesamtverantwortlicher der Jugendarbeit der reformierten Kirche, gaben kürzlich der BaZ Auskunft über die vielfältigen Aktivitäten auf dem Landhof-Areal. Während der Sommerferien wurde der innere Teil der Landhof-Tribüne von Jugendlichen und erwachsenen sorgfältig renoviert. Auf dem Hauptplatz des Landhof wird nun also jeden Mittwoch und Freitag von 13 bis 18 Uhr Freiraum für Sport und Spiel geboten. Im Herbst und Winter kommen jedes Mal rund 80 Kinder vorbei und geniessen dieses Angebot, welches von Erwachsenen in ehrenamtlicher Arbeit begleitet wird.

Old-Bys-Fussballer und FCBler

Fest auf dem Platz eingemietet sind die Fussballer des BSC Old Boys Basel. Sie trainieren mit zehn Teams hier, darunter auch mit einer Frauenequipe. Die FCB-Veteranen unter Leitung von Erfolgstrainer Helmut Benthaus sind bei ihren Trainings nach wie vor auf dem "Ländli" anzutreffen. Im Weiteren wird dieser Ort von Familien und Senioren genutzt - als Treffpunkt, Mittagstisch und Ort des Jassvergnügens. In Kooperation mit dem Kinderbüro und der Robi-Spielaktion wird jeweils dienstags, mittwochs und freitags auf dem Platz hinter der Tribüne einiges geboten: Nebst einer Kletterwand stehen eine Bühne für Musik und Theater sowie eine Zeitmaschine zur Verfügung. Seit Mitte August läuft das Malatelier, einmal pro Woche montags ab 18 Uhr. Fünfjährige bis 15-Jährige können dort unter der Ägide von zwei Lehrkräften malen und zeichnen. Auf grossen Anklang stösst schliesslich auch der Jugendtreffpunkt jeden Dienstagabend in der Landhof-Tribüne. 

die Idee, die all diesen Aktivitäten zugrunde liegt, ist klar: "Im Kleinbasel war es ein Bedürfnis, irgendwo auf einer grünen Wiese zu sein und zu spielen. Mit einer festen Kindersportgruppe ging ich auf den Platz. Der Schneeballefekt spielte, und auch die Eltern hatten grosses Interesse an diesen Aktionen", berichtet Mirko Ulbl, der als ausgebildeter Jugendarbeiter weiss, worauf es ankommt. "Wichtig war es für uns, Strukturen zu schaffen und den Kindern zu zeigen, wie man freundschaftlich und fair miteinander spielt. Mittlerweile ist es so, dass sie einen ganzen Match Fussball oder Volleyball miteinander spielen können, ohne aneinander zu geraten." Ulbl hat Umfragen gestartet unter den Kindern, mit dem Titel: "Was gefällt dir am Landhof?" Die Antworten der Kinder lauteten unisono: "Die grosse schöne Wiese." In den bisherigen Planungsaktivitäten der Behörden ist die Anwohnerschaft des Landhofs erstaunlicherweise nicht zu Wort gekommen - aber die Stimmung ist klar: Eine überwältigende Mehrheit dieser direkt betroffenen Menschen ist gegen die Pläne der Behörden. Anwohnerinnen und Anwohner votierten im Gespräch mit der BaZ denn auch vehement für die Beibehaltung des Status quo: "Im Kleinbasel gibt es nichts vergleichbares. So eine Freifläche, die für Kinder und Jugendliche zugänglich ist, braucht es einfach bei uns", sagt Brigitte Roth von der Wettsteinallee.

"Die Claramatte ist zwar schön..."

Und Anja Römmelt vom Rihenring bemerkt: "Die Claramatte ist zwar schön gestaltet, aber wir haben dort Spritzen gefunden und gingen fortan mit unseren Familien nicht mehr dorthin. Eine Alternative zum Landhof gibt es keine. Die Kaserne ist für unsere Kinder zu weit weg." Erschreckt reagierte man auf die Meldung, wonach "sechsgeschossige Wohnsilos" (Originalton eines Anwohners) auf der Landhoffläche geplant werden. Christoph Nidecker, Mirko Ulbl und Fränzi Käppeli ärgern sich insbesondere über das Bild mit dem Landhof-Überbauungs-Projekt, welches in der Zeitung erschienen ist: "Das ist eine Fotomontage - die Landhof-Kids wurden nachträglich dreinmontiert. Sie hätten bei dieser Aktion nie freiwillig mitgemacht", sagen Ulbl und Nidecker übereinstimmend.

Für Mirko Ulbl und seine Getreuen ist klar: "Wenn es an diesem Ort wieder 100 bis 150 Wohnungen gibt, mit ebensovielen Familien, dann bräuchten wir wiederum ebenso viel neuen Freiraum. Kommt noch dazu, dass die neuen Wohnungen rund 2500 Franken im Monat kosten würden. Wer kann sich das schon leisten?" Mit dem eigenen Vorstand der Wohngenossenschaft Landhof gehen die Anwohner hart ins Gericht: "Der Vorstand hat von der Generalversammlung keinen Auftrag erhalten, Hand zu bieten für eine Überbauung des Landhofs", berichten sie. "es ist für uns stossend, wenn der Vorstand der Wohngenossenschaft in der vom Baudepartement bestimmten Jury des Architektenwettbewerbs Einsitz nimmt, anstatt die berechtigten Interessen der Landhof-Anwohnerschaft zu vertreten."

Lukas Müller
>> Originalartikel

www.baz.ch

www.landhof.ch