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Letzte Kleinbasler Oase bedroht

Beitrag bz vom 24.04.2003

LANDHOF / Das Baudepartement hat einen Ideenwettbewerb zur neuen Nutzung des Landhofareals lanciert. Die Interessengemeinschaft Landhof kämpft jetzt schon um viele grüne Quadratmeter.

BASEL. Der FCB hat sein neues Joggeli. Da braucht er den Landhof nicht mehr. Also rottet das Stadion, das von Wohnblöcken umgeben mitten im Kleinbasel liegt, noch mehr dahin als bisher. Könnte man meinen. Doch dem ist nicht so.

An mindestens zwei Nachmittagen pro Woche wird die riesige Grünfläche von Kinderlachen und Kindergeschrei erfüllt. Es wird gespielt, getobt, aber auch auf Safari gegangen. Auf den bereits überwucherten Stehtribünen beobachten die "Landhof-Kidzz" , was da so kreucht und fleucht.

"Getragen werden die "Landhof-Kidzz" von der Reformierten Kirche Basel-Stadt und von dem Jugendförderverein "ooink ooink Productions". 40 bis 50 Kinder sind es jeweils, die Seilspringen, Fussball, Volleyball,  oder Fangen spielen. Seit kurzem treffen sich im weiteren einmal pro Woche Jugendliche auf dem Landhof, wo sie sich dank der Erlaubnis des Sportamtes einen Treffpunkt einrichten dürfen.

auch die Old Boys sind froh um die Trainingsfläche. Und dann sind da noch die älteren Herrschaften, die sich im Beizli einfinden, um dort regelmässig am Mittwoch einen Jass zu klopfen. "Hier fühlen wir uns geborgen, hier haben wir eine Heimat gefunden", verdeutlicht es Mirko Ulbl, seit zehn Jahren als Jugendarbeiter der reformierten Kirchgemeinde im Quartier tätig.

Es soll ein breites Spektrum an Ideen rausschauen

So könnte es auf dem Landhof weitergehen. Der Landhof als Oase mitten im Kleinbasel, hofft die letztes Jahr gegründete Interessengemeinschft (IG) Landhof. In ihr haben sich Anwohner, Politiker und Nutzer zusammengefunden, um das Areal zu bevölkern, ihm aber auch für die Zukunft ein eigenes Gesicht zu geben.

Das möchte auch das Baudepartement. Es hat im Februar einen Ideenwettbewerb ausgeschrieben. "Er soll zeigen, was auf dem Areal denkbar ist", erklärt Marcel Sturzenegger vom Hochbauamt. Damit unter den gegebenen Rahmenbedingungen ein breites Spektrum rausschaue, wurde der Wettbewerb bewusst nicht zu eng formuliert, führt der Architekt weiter aus. Deshalb auch die vergangene Woche etwas unklar formulierte Antwort der Regierung auf einen Anzug von Grossrat Heinz Käppeli (CVP). Sie beabsichtige, das Areal des Sportplatzes Landhof zurückhaltend mit Wohnungen zu überbauen und einen relativ hohen Anteil an Grün- und Freiraum zu realisieren.

Auf Nachfrage der bz, was "zurückhaltend" und"relativ hoch" in Zahlen ausgedrückt heisse, meint Marcel Sturzenegger: "Wir haben die Bautätigkeit bewusst über Bruttogeschossflächen und nicht über Zonen definiert". Oder anders gesagt, es dürfen höchstens 50 Prozent bebaut werden. Damit schlägt die Regierung gemäss Sturzenegger einen Mittelweg ein. Gewisse Kreise forderten mehr Bauten, die IG Landhof hingegen 70 Prozent Grünfläche.

Und an dieser Forderung möchte die IG festhalten, wie sie in einer Medienmitteilung betont. Ulbl, auch IG-Mitglied, kennt die Defizite des Kleinbasels und der Kinder genau. Es gäbe hier zuviele Bauten und zu wenig Raum für die Jugend. Deshalb erwarte die IG, das die letzte grössere Grünfläche im Quartier als zusammenhängende Fläche bewahrt werde. Und man erwarte nun eine Reaktion seitens des Baudepartements.

Ein Alternativ-Vorschlag mit guten Chancen

Bleibt anzumerken, dass die IG mit dem Baudepartement im voraus Abklärungen getroffen hat und einer ihrer Vertreter auch in der Wettbewerbs-Jury Einsitz hat. Sturzenegger erklärt dazu, dass die IG zu konkrete Bedingungen für den Wettbewerb gewollt habe. Das Baudepartement schaue nun, was an Ideen hereinkomme und nehme diese dann als Grundlage für die Gestaltungsdiskussion.

Die IG ihrerseits arbeitet einen eigenen Alternativ-Vorschlag aus. Dieser sieht den Landhof als "multipolysportive Fläche" vor, wie Ulbl ausführt - das käme auch den Old Boys zugute -, dazu verlangt die IG die Nutzung des Geländes für betreute Freizeitangebote - wie sie eben schon im Gange sind - sowie Begegnungsräume für eine öffentliche Nutzung, beispielsweise als Café, Kinder- oder Jugendtreff.

"Weil wir die Probleme kennen, die das Erziehungsdepartement und das Justizdepartement im Kleinbasel haben, räumen wir uns gute Chancen bei der Regierung ein", zeigt sich Ulbl zuversichtlich. Basel-Stadt müsste dann nur das Land zur Verfügung stellen und keinerlei Investitionen tätigen.

Im Juni werden die Resultate aus dem Ideenwettbewerb vorliegen. Dann dürfte die nächste Runde zwischen der IG Landhof und dem Baudepartement eingeläutet werden. 

Andrea Masek
>>Originalartikel

www.landhof.ch